Im Dorf

4. März 2020 Aus Von Xaver Kainz

Die letzten zwei Wochen haben wir zweimal am Wochenende ein Dorf besucht. Das eine Mal um ein Fest zu feiern, das andere Mal als Wochenendausflug mit dem Jugendzentrum des Projekts zusammen mit 50 Jugendlichen.

Ein Dorf ist meist eine Ansammlung von mehreren Lehmhütten, Häusern und einem Brunnen. Umzingelt von dichtem und dichterem Dschungel hat man das Gefühl, dass das Land nur von der Natur ausgeborgt ist und irgendwann sich diese einmal wie in 100 Jahren Einsamkeit das Geduldete mit voller Gewalt wieder zurück holen wird, was ihr eigentlich eh schon immer gehört hat.

Manche Dörfer sind nicht an das allgemeine Stromnetz angeschlossen, sondern erhalten ihre Elektrizität über lokale Solaranlagen. Wasser wird mit der Pumpe gepumpt und wenn es regnet können die Straßen so schlecht sein, dass man die Häuser nur mit einem Geländeauto erreichen kann. Über der einspurigen Forststraßen strecken sich die tropischen Bäume nacheinander aus und manchmal gelingt es ihnen fast die Blätter der Pflanzen der anderen Straßenseite mit ihren Astspitzen zu greifen. Alles blüht und verdorrt im selben Moment. Der Wald wird zu einem einzigen lebenden Organismus und wenn man sich einen Weg mit der Machete durch das Unterholz schlagen sollte, dann schließt sich der Raum, den man sich vor einem geschaffen hat, hinter einem wieder.

Auch die Häuser hier gaben mir einen ganz anderen Zugang zu den Konzept Haus. In Österreich sah ich ein Haus immer als vollkommen abgeschlossene Einheit gegenüber seiner Umwelt. Ein Haus oder eine Hütte hat seine eigenen Sinneswahrnehmungen, seine eigene Wärme oder Kälte, seine eigenen Gerüche und Geräusche. Hier sind bestehen die Häuser meist aus verputzten Ziegelwänden oder unverputzten Lehmwänden und einem Wellblechdach. Wenn es Fenster gibt kann man diese nicht schließen. Geräusche, Gerüche und Temperatur werden frei ausgetauscht und in manchen Lehmhütten besteht der Boden aus gestampfter Erde. Die traditionelle Küche besteht aus einem Feuer in einer der Hütten auf dem gekocht wird. Über dem Feuer hängt meist eine geflochtene Ablage auf der die Lebensmittel gelagert werden, denn der Rauch schützt vor Ungeziefer. Das Klima verlangt nicht nach so harten Grenzen zwischen Innen und Außen, wie ich es gewöhnt war und die Natur fühlt sich viel näher an.