Yaoundé 2 oder Sebastian kauft sich zwei Paar neue Schuhe

26. Januar 2020 Aus Von Xaver Kainz

Es ist der letzte Tag in Yaoundé und wir brauchen beide eigentlich neue Sneaker. So machen wir uns also auf, um diese in den vielen kleinen Boutiquen am Straßenrand zu besorgen. Mal so richtig shoppen gehen.

Wir betreten das erste Schuhgeschäft und probieren ein paar Schuhe. Es muss dazu gesagt werden, dass die Sneaker hier meistens sehr gut gefaked von Großmärkten in der Türkei im Kilopreis gekauft werden. Jedes Paar gibt es nur ein einziges Mal in einer Größe und so finde ich keine Schuhe, die sowohl meinem Geschmack als auch meiner Schuhgröße entsprechen. Sebastian jedoch entdeckt zwei Paar, die ihm ganz gut gefallen und will diese kaufen. Jetzt geht das Handeln los.

Wir fragen zuerst was für einen Preis sich der Verkäufer denn für diese Schuhe hier vorstellt und dieser verlangt (1. Trick des Verkäufers) zwei- bis dreimal soviel wie die Schuhe üblicherweise am Markt wert wären. Sebastian als hingegen schlägt (1. Trick des Käufers) von diesem Preis ein drittel vor. Beide kennen sie den eigentlichen Wert der Schuhe doch man kann es ja probieren.

Dann geht das Spiel in die erste Runde. Beide (2. Trick des Käufers und Verkäufers) senken beziehungsweise erhöhen den Preis. Es kann passieren, dass die Parteien sich in dieser Phase der Verhandlungen schon einigen und keine weiteren Tricks gebraucht werden.

Dies war hier nicht der Fall. Man hat sich verrannt und keiner ist mehr bereit an seinem Preis rütteln zu lassen. Die zweite Runde beginnt. Der Verkäufer erklärt ganz ernst, dass (3. Trick) dies der wahre und einzige Preis sei und wer Schuhe zu anderen Konditionen erwerben möchte der sollte sich eher nach solchen Produkten richten. Dabei zeigt er auf eines seiner billigsten Paare und meint, dass er gerne bereit wäre diese um den von Sebastian genannten Preis zu verkaufen. Dieser erwidert dazu, dass man nicht gekommen sei um Schlapfen sondern um Schuhe zu kaufen und im Gegenzug (3. Trick des Käufers) holt er das Bargeld hervor, das er bereit wäre zu zahlen in der Hoffnung, dass der Anblick des Geldes den Verkäufer umstimmt.

Auch das hat leider nicht funktioniert und der Verkäufer beginnt nun uns seine (4. Trick) leere Kasse und sein Logbuch mit Preisen von anderen teureren Produkten zu zeigen. Dabei beteuert er ganz aufrichtig, dass er bei seinen Preisen sogar Verlust mache, jedoch trotzdem verkaufe, weil er das Geld dringendst brauche. Wir hingegen entscheiden so zu tun als würden wir gehen (4. Trick des Käufers) in der Hoffnung, dass wir zurück gerufen werden. Das passiert nicht.

Da Sebastian die Schuhe jedoch trotzdem kaufen will, kommen wir von noch ein zweites Mal ins Geschäft zurück. Wir hatten das Spiel praktisch verloren, als der Verkäufer auf die gewünschten Paare zeigt und einen anderen Schuhhändler bittet, ihm dafür den echten Preis zu nennen (5. Trick des Verkäufers). Das war leider ein Fehler, denn dieser sagt zwar einen absichtlich hohen Betrag aber weitem nicht die horrende Summe, die Verkäufer verlangt hat. So konnte Sebastian die Schuhe doch zu einem ganz akzeptablen Preis kaufen. Eineinhalb Stunden sind vergangen.