Malaria

Malaria

15. Dezember 2019 Aus Von Xaver Kainz

„Ach Malaria, das ist a ein bisschen so wie bei euch die Grippe!“, das hört man oft wenn man mit den Menschen hier über die weltweit größte Infektionskrankheit spricht und ich muss zugeben, zumindest gehandhabt wird es sehr ähnlich.

Malaria gehört hier einfach zum Alltag. Das hat man einmal Jahr und dann geht es auch schon wieder vorüber (angenommen man behandelt es früh genug). Öfters sah ich schon Kinder und Jugendliche vollkommen fertig mit Fieber in meinem Unterricht sitzen, den Kopf auf die Hände gestützt in der Hoffnung, dass die Augen zumindest noch für kurze Zeit offen bleiben anstatt zu zufallen und auch wenn man hier ziemlich Respekt vor der Krankheit hat, das Schreckgespenst, das in Europa immer anwesend ist wenn man über die Krankheit spricht, taucht nicht auf.

Trotzdem sollte das sogenannte Sumpffieber auch nicht unterschätzt werden, denn gerade für Kinder und schwangere Frauen kann Malaria fatale folgen haben. Diese Situation wird nochmals verschärft wenn man sich wie manche meiner Schüler die medikamentöse Behandlung nicht leisten kann.

Da es noch keinen funktionierenden Impfstoff gibt sind die Möglichkeiten sich nachhaltig und andauernd vor der Krankheit zu schützen sehr eingeschränkt. Man könnte täglich mit Malerone oder wöchtlich mit Lariam eine Prophylaxe einnehmen, doch wird davon abgeraten, denn das ist sowohl für den Körper als auch für das Geldbörserl auf Dauer sehr anstrengend. Der wichtigste Schutz ist und bleibt also sich möglichst wenig diesen fiesen kleinen Mücken auszusetzen (Expositionsprophylaxe). Das heißt wiederum schlafen unter einem Moskitonetz sowie eine dicke Schicht Mückenspray, auf der Haut, der Kleidung und dem Netz selbst. Sonst beißen die Biester nämlich auch alle Stellen Haut die das Netz berühren. Es muss jedoch dazu gesagt werden, dass diese Maßnahmen hier oft vernachlässigt oder nur halbherzig durchgeführt werden.

Dennoch auch wenn man stets nach Vorschrift handelt kann es beziehungsweise wird es passieren, dass man von einer Mücke samt Parasiten gestochen wird und sich infiziert. So ist es auch mir ergangen.

Letzte Woche Sonntag war ich den ganzen Tag sehr müde und mich plagten Kopf- und Rückenschmerzen. Anfangs dachte ich noch, dass das meinem stark ausgeprägten Schlafmangel zu verdanken sei, doch als sich die Symptome auch nach zehn Stunden Schlaf nicht linderten wies alles klar auf eine starke Erkältung hin, die sich dann am Abend als, wie der Arzt es nannte „eine kleines Problem mit Malaria“ entpuppte.

Die Klinik, die sich um uns im Krankheitsfall kümmert, ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein einstöckiger Bauernhof mit einem Atrium in der Mitte, der zum Gesundheitszentrum umfunktioniert wurde. Die Hygienestandards sind wahrscheinlich in meinem Zimmer fast besser.

Es wurde mir zuerst Blut abgenommen, um es auf die gängigsten Krankheiten zu testen und dann die Ergebnisse samt Diagnose mit einem „Infirmier general“ besprochen. Wir kauften in der hauseigenen Apotheke die nötigen Medikamente und steril verpackten Spritzen für die Infusionen und während ich noch bang auf einen Stich in meine rechte Pobacke wartete sah ich vor mir durchs Zimmer eine kleine graue Maus zischen, dann pikste es kurz und schon durften wird wieder nach Hause.

Die kommende Woche war gänzlich unspektakulär und wenn ich einmal überhaupt Fieber hatte, dann nie über einer etwas erhöhten Temperatur. Ich schluckte und schlucke immer noch brav neben den Anti-Malaria-Medikamenten Antibiotika und als Schmerzmittel wurde mir Paracetamol verschrieben. Die Hauptsymptome waren bei mir eine durchgehende Müdigkeit und etwas Kopfweh. Doch jetzt nach einer Woche bin ich eigentlich schon wieder auf den Beinen, zugegeben auch wenn immer noch leicht geschwächt.

Alles in allem war für mich der Krankheitsverlauf nicht tragisch und es stellt sich eigentlich nur noch die Frage wie das mit dem im Blut bleiben ist, ob der Parasit auch jemals wieder aus mir verschwindet oder ob ich jetzt jedes Mal in Wien zum Tropenmediziner laufen werde müssen wenn ich Kopfweh habe.

PS.: Tut mir leid, dass der Blogpost zu spät kam aber ich war krank.