Das Essen mit den Internen
Am Abend unter der Woche essen wir mit den Internatsschülern und über die Zeit sammelten sich dazu so einige Geschichten an, die ich euch erzählen möchte.
Die klassisch scharfe Soße Geschichte
Bei den Internatsschülern wird grundsätzlich ein einfacheres Essen serviert als bei der Gemeinschaft. Es werden dort hauptsächlich Spaghetti und Bohnen gegessen. Dazu gibt es dann je nachdem als Beilage entweder zu den Spaghetti ein kleines Baguette oder zu den Bohnen die berühmt berüchtigten „baton du manioc“ (ein in Blättern eingewickelter Teig der durch trocknen über dem Feuer eine bissfeste Konsistenz erlangt). Weil das auf Dauer dann doch etwas langweilig ist, isst man diese zwei Gerichte immer mit einer unglaublich scharfen Soße. Das wusste ich selbstverständlich nicht und die Internatsschüler gaben mir einen ähnlichen Haufen dieses Chilliöls wie sich selbst auf den Teller. Dabei hätte eine Gabelspitze doch auch schon vollkommen ausgereicht, um mich zum weinen und schwitzen zu bringen. Nichts ahnend fing ich also an meine Bohnen zu mampfen und schob mir hungrig wie ich war einen großen Löffel in den Mund. Es muss dazu gesagt werden, dass der erste Löffel noch nicht die vollen Ausmaße der Schärfe erahnen ließ. Dann aber spätestens nach dem zweiten standen mir Tränen in den Augen und ein grässlicher Schluckauf ließ mich nicht mehr ruhig atmen. Zu diesem Zeitpunkt glaubte suchte ich noch meine Rolle gegenüber den Internatsschülern und wollte deshalb auf keinem Fall schwäche zeigen und so zwang ich mich doch weiter zu essen. Dabei fühlte ich förmlich wie ich bei jedem weiteren Bissen röter wurde und sich meine Augen mehr und mehr mit Tränen füllten. Man muss sich vorstellen, dass ich zusätzlich noch Schwierigkeiten hatte auf Französisch mitzuteilen, dass mir das Essen eindeutig zu scharf ist und so lächelte ich nur etwas als man mich fragte, ob mir eh gut ginge und hoffte, dass dieses Brennen auch jemals wieder ein Ende fände. Danach war mir schlecht! Fast die ganze Nacht!
Das Francam
Zusätzlich zu meinem Malheur mit der scharfen Soße gab es noch weitere Startschwierigkeiten mit den Internatsschülern. Anfangs kämpfte ich um jedes Wort und nuckelte aus den Sätzen Satzglied für Satzglied den Sinn. Mit den anderen Lehrern und auch mit den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft gelang mir das nach kurzer Zeit schon relativ gut und beständig, doch Irgendetwas wollte beim Abendessen nicht klappen. Sie redeten und redeten und ich verstand Nichts, dabei war es doch das selbe Französisch das sie sprachen?
Naja, es klang zumindest so. Dem Ganzen einen Sinn entnehmen konnte ich halt nicht, weil es dann doch kein Französisch war, sondern Francam, die kamerunesische Jugendsprache, ein Gemisch zwischen Deutsch, Englisch und Boulou(der Lokalsprache in Ebolowa). Das wussten die Schüler sehr bald auch gegen mich einzusetzen. Da ich nicht unterscheiden konnte, ob sich jetzt um Französisch oder Francam handelte fragten sie mich oft Dinge in dieser Jugendsprache und taten dann als ob sie mit mir Französisch sprächen. Ich wusste dabei nie, wie zu reagieren, Denn wenn es wirklich Französisch gewesen wäre, hätte ich mich durch Aufregen nur bloßgestellt. So fragte ich jedes Mal höflich nach und bat sie das ganze noch einmal langsam zu wiederholen.
Als das Licht ausging
Es war ein besonderer Abend als das Licht ausfiel, denn es gab Fisch. Dieser Fisch stellte eine ziemliche Bereicherung für das sonst doch etwas karge Essen dar. Alle aßen genüsslich und im Speisesaal herrschte diese besondere Stille wenn eine ansonsten sehr lebendig laute Gruppe sich nach einem langen Tag an den Tisch setzt, um zu essen. Diese Stille, wenn einer ganzen Schulklasse nach einem Ausflug das Abendessen schmeckt. Doch dann fiel plötzlich das Licht aus und man konnte nicht einmal mehr die eigene Hand vor dem Gesicht sehen. Die vorhin beschriebene Stille blieb noch für den Bruchteil einer Sekunde bestehen und dann begann das Gemetzel. Viele der Internatsschüler standen auf, um von den Tellern ihrer Nachbarn ein kleines Fischstück zu ergattern, ohne dass es dieser in der Schwärze bemerkte. Andere fingen an denen vom anderen Tisch Nackenklatschen zu verpassen und alle aber wirklich alle schrien.
Lieber Xaver, Danke für deine wunderbaren Erlebnisberichte! Wir feiern heute den 1.Dezember, der heuer zugleich der erste Advent ist, und denken ganz fest an dich! Bussi Mia, Eva & Helmut