C’est le Feu

C’est le Feu

24. November 2019 Aus Von Xaver Kainz

Es ist morgen. Ich stehe wie immer ein bisschen verschlafen beim “mot du matin”. Das Gesagte wirkt auch etwas fern und ich verliere mich mehr und mehr in meinen Gedanken, als plötzlich ein kleiner Junge aus der vordersten Reihe aufschreit: „Feu, Feu“ Mein erster Gedanke gilt dem Wunsch nicht aus meiner morgendlichen Tagträumerei gerissen zu werden. Dann bewege ich mich doch träge mit Sebastian zum Fenster, um nachzusehen warum das Kind so ein Aufsehen erregt. Tatsächlich aus den Fenstern des Waschraums steigen dicke schwarze Rauchwolken auf.

Ich bin ruckartig wach und mit mir setzt sich die ganze Schule in Bewegung. Alle wollen sie einen Blick auf züngelnde Flammen erhaschen und die Lehrer, die sich beim „mot du matin“ noch im Hintergrund gehalten haben, versuchen jetzt alles in ihrer Macht stehende zu tun die Situation unter Kontrolle zu behalten. Langsam aber stetig fängt die Menschenmenge an sich zu verselbstständigen und für einen kurzen Augenblick wirkt es als würden 300 Kinder und Jugendliche in den brennenden Raum drängen, doch dann gewinnen sie wieder die Oberhand und es werden die Löschversuche koordiniert.

Ein paar Mutige wagen sich in den Waschraum um Kleidung, Leintücher und andere leicht brennbare Materialien zu heraus zu tragen. Doch wie soll dieser Brand gelöscht werden? Wie lange es dauert es bis die Feuerwehr uns erreichen würde? Die Wasserhähne haben nicht die Kapazitäten um Eimer in so kurzen Zeit zu füllen und trotzdem müsste schnell gehandelt werden.

Eine Gruppe von 10 Lehrern und Schülern rennt los, leert Mistkübel aus und füllt diese mit frisch ausgehobener Erde, die dann auf das Feuer geworfen wird. Vom Erdhügel zum Feuer laufe ich eine und eine halbe Minute und der halbvolle Eimer wiegt schwer. Während meiner zweiten Runde meldet sich auch noch ein Stechen in der linken Seite und lauter Kinder stehen im Weg. Ich spüre die Hitze durch das Fenster und bin froh nur Schlepper und nicht Löscher in diesem rauchgefüllten Raum voll beißender Luft sein zu müssen.

Glücklicherweise ist der Brand innerhalb von zehn Minuten erstickt. Gebrannt hat eine alte Waschmaschine, die schon längst nicht mehr in Betrieb ist aber nicht vom Stromnetz genommen wurde. Noch einmal Glück gehabt!

Trotzdem sehe ich nicht selten auf der Terrasse dunkle Rauchwolken, von Häusern bei denen wahrscheinlich im Notfall nicht so effizient gehandelt wurde, zwischen mir und dem Horizont aufsteigen. Es gehört zwar nicht zum Alltag ist jedoch nicht selten und wird ähnlich viel Beachtung geschenkt wie den platzenden Wolkenbrüchen die mich anfangs noch so beeindruckten.

Am darauf folgenden Tag lese im „Standard“ einen Artikel über eine brennende Lagerhalle mit Foto. Hätte diese es hier in die Zeitung geschafft?