Mein Geburtstag
Weil er so schön war, möchte ich euch heute von meinem ersten Geburtstag im Ausland erzählen. Begonnen haben die Feierlichkeiten schon um 8:20 Uhr im Gefängnis (prison centrale ebolowa), das wir jeden Sonntag mit den Salesianern aufgrund der Messe besuchen. Am Ende wurde verlesen, dass ich heute Geburtstag feiere und danach wünschten mir eine Menge Insassen ganz herzlich Glück für ein weiteres Lebensjahr. Alleine das war schon ein Erlebnis für sich. Ich meine wer kann schon behaupten den Morgen seines 19. Geburtstages in einem Gefängnis in Kamerun gefeiert zu haben? Nicht viele, möchte ich meinen.
Die Stunden nach dem Gefängnis am Sonntag im Projekt von halb 10 bis zum Mittagessen sind einer meiner liebsten in der Woche. Man kommt zurück und auf einmal ist es im gesamten Projekt still und leise. Normalerweise wimmelt und wuselt es nur so, dass es eine Herausforderung sein kann in seinem Zimmer Ruhe zu finden, aber in dieser kleinen Zeitspanne herrscht absoluter und unangefochtener Frieden im Projekt.
Am Vortag hatten wir am Markt alle Zutaten für ein gutes Gulasch mit Semmelknödeln besorgt, die wir jetzt als Geburtstagsessen anfingen zuzubereiten. Natürlich stellte sich heraus, dass das gekaufte Fleisch für den Preis den wir bezahlten ziemlich viele Knochen hatte, aber was wäre eine Besuch am Markt ohne sich von irgendwem übers Ohr hauen zu lassen. Irgendwie unvollkommen, glaube ich. Ein Gulasch ist praktischerweise ziemlich schnell aufgestellt und verlangt dann während dem Kochen nicht mehr nach viel Aufmerksamkeit und so begann schon bald das Mittagessen mit Gemeinschaft.
Das Mittagessen war köstlich und das, obwohl es das Gulasch erst am Abend geben sollte. Dazu wurde gesungen und mein Geschenk überreicht, ein wunderschönes braunes afrikanisches Oberteil.
Hier ist es Brauch die Leute an ihrem Geburtstag mit Wasser anzuschütten. Ich fand das das erste Mal ziemlich lustig und habe mich pitschnass schütten lassen. Danach bin ich die Küche gegangen, um mich unseren Semmelknödeln zu widmen und dachte, damit, dass die Wasserschlacht beendet sei. Denkste! Kaum begann ich das alte Brot zu schneiden, kommt natürlich von hinten wieder irgendjemand und macht die gerade neu angezogene trockene Kleidung der alten gleich, sodass man sich fragt, warum man sich überhaupt gerade umgezogen hat. Gut, dachte ich mir, bleibt wohl nichts anderes über als in nassen Sachen zu kochen. Es hätte ja immer sein können, dass dieser Wasserschwall nicht der letzte gewesen war.
Die Feier zum Abendessen krönte dann zum Abschluss den bis jetzt schon ziemlich vollkommenen Tag. Das Gulasch, das sieben Stunden am Herd stand, wurde serviert und man hatte einen ausgezeichneten Kuchen gebacken. Es wurde getanzt, gesungen und zu zwanzigst eine Flasche Sekt getrunken. Der Direktor hielt eine bewegende Rede und auch ich durfte ein paar Worte sagen. Am Abend, nachdem Sebastian und ich noch in unserem Zimmern nachfeierten, fiel ich mit einem Grinsen ins Bett. Was für ein Tag!
PS.: Wir haben jetzt eine Waschmaschine bekommen und das fühlt sich ein bisschen an wie noch zweites Mal Geburtstag eine Woche später.




Welch unvergesslicher Tag !